ViralVPS hört auf / Umzug zu HostHatch

Achtung! Dieser Artikel ist älter als ein Jahr. Der Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell!

Ca. 30 Personen haben versucht sich mit mir in Verbindung zu setzen und zu fragen, was mit meinem Server passiert ist und warum er fast 4 Tage offline war. Sogar von beschlagnahmter Hardware war die Rede :-)

Erstmal Danke dafür. Aber ich fang von vorne an.

ViralVPS hört auf

Der Server hier ging bei ViralVPS ungefähr am 28.10.2014 online. Produktiver Traffic lief ca. zwei Tage später darüber und eine Woche danach ging der Server, von dem ich migriert habe, bei Hetzner offline.

Am 30.03.2015 um 12 Uhr wurde vom Eigentümer ein Ticket mit dem Betreff „Ending services“ erstellt. Zu diesem Zeitpunkt saß ich am Mittagstisch in der Firma und war ein bisschen geschockt. Ich war der Erste, der es erfuhr.

Wenn ich ganz ehrlich bin: Verwundet hat es mich nicht.

Einen Tag darauf kam die offizielle Rundmail, in der die offizielle Einstellung aller Hostingservices bekannt gemacht wurde – Am 30. April 2015 wird alles abgeschaltet.

Der Kundenservice war schon immer sehr gut. Im Hintergrund hat er mit der Firma HostHatch ein Angebot für seine VPS Kunden ausgearbeitet. Das Angebot von HostHatch gleicht im Grunde genommen dem von ViralVPS, allerdings sind diese schon ein bisschen größer und in drei Ländern vertreten.

Alle Kunden konnten ihre Virtuellen Maschinen zu HostHatch migrieren lassen – Kostenlos!

Mein Server

Mein Server ist aber nicht virtuell, sondern ein schöner Supermicro 1U Server. ViralVPS machte mir ein Angebot, falls ich Interesse am Kauf der Hardware hätte.

Anfangs war ich der Idee gegenüber abgeneigt. Selbst Verantwortlich zu sein für Hardware die 700 km weit weg steht ohne Möglichkeit auf physischen Zugriff war mit nicht geheuer.

Zudem bekam ich ein schlechtes Gewissen. Ich habe mit ViralVPS in dutzenden E-Mails das Angebot der „Enterprise Dedicated Server“ mitentwickelt.

Ich war der Erste und Einzige Kunde mit physischer Hardware. Leider haben sich seine Investitionen am Ende nicht ausbezahlt.

Ich habe mir mehrere andere Anbieter in den Niederlanden rausgesucht, die das selbe Angebot haben. Doch je mehr ich gesucht habe, desto schöner wurde die Idee den Server zu kaufen. Denn dann wurde es ziemlich billig.

Wenn ich es nicht vergesse füge ich hier noch ein Bild ein :-)

Umzug zu HostHatch

Planungsphase

Wie oben schon gesagt wurden auf Wunsch die virtuellen Server zu HostHatch umgezogen. Auf der Homepage habe ich gelesen, dass sie auch Co-Location anbieten – Sprich: Platz im Serverrack für Hardware.

Für 59$ bekomme ich an sich die selben Leistungen wie bei ViralVPS. Nur die Hardware muss ich selber mitbringen.

Außerdem habe ich gesehen, dass HostHatch im selben Rechenzentrum Rackspace anmietet wie ViralVPS: Serverius Datacenter,

„Cool! Kein Weiter weg um Hardware zu versetzen“, dachte ich mir und fragte beim Vertrieb von HostHatch an. Dieser antwortete auch innerhalb kürzester Zeit und meinte, dass es kein Problem ist.

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass HostHatch aktuell in ein anderes Rechenzentrum umzieht. Nämlich zu Telecity, ein Rechenzentrum in der Nähe von Amsterdam.

Ich habe also dreißt gefragt, ob sie meine Hardware gleich dahin mitnehmen können. Die Antwort kam schnell und unerwartet: „Ja, kein Problem“.

Nachdem habe ich zu ViralVPS gesagt, dass ich die Hardware kaufen werde und um die Freischaltung der Hardware.

Der eigentliche Umzug

Die Problemserie fing unscheinbar an. Erst sollte der Server am Mittwoch (15.04.2015) umziehen, dann am Donnerstag, dann Freitag, letzter Termin war Samstag und allerletzter Termin Sonntag,

Mir war es eigentlich egal, wann der Umzug stattfindet. Gegenüber HostHatch habe ich gesagt, dass der Server jederzeit via ACPI Event (Power-Knopf) abgeschaltet werden könne.

Sonntag ist nichts passiert.

Aber am Montag Abend war es dann soweit: Die Downtime beginnt. Kommuniziert wurde, dass der reine Hardwareumzug 3 Stunden in etwa dauert. Ich habe 24 – 48 Stunden Downtime gerechnet (24 Stunden bis alle Services wieder laufen, 48 Stunden maximal bis sämtliche DNS TTLs ausgelaufen sind).

Am besagten Montag Abend um ca. 21 Uhr habe ich mich noch im TeamSpeak eine Unterhaltung, a geführt, als auf einmal der Disconnect kam. Ein kurzes SSH später: Jap, der Server ist tot. Freude kam auf, aber auch ein bisschen Angst. Neuland wird betreten :-)

Dienstag

Am Dienstag (21.04.2015) habe ich fast keine Antworten via Support Ticket erhalten. Und das hat mir mächtig gestunken.

Ich bekam nur Aussagen wie: „We are working on it“.

Das Problem war nicht der Umzug an sich, sondern das IPMI. Da ich neue IPs bekommen habe mussten auch das IPMI eine neue bekommen. Um das zu Ändern muss man ins BIOS. Dieses war aber mit einem mir unbekannten Passwort geschützt.

Es war ein Passwort, das von ViralVPS gesetzt wurde. Es konnte nicht rausgegeben werden, da es ein sehr häufig verwendetes und persönliches Passwort war.

Er schlug vor die CMOS Batterie zu entfernen, damit das BIOS auf Werkseinstellungen zurückgesetzt wird.

Mittwoch

Mittwoch (22.04.2015) hatte ich mehrmals nach dem Status nachgefragt. Eigentlich wollte ich an diesem Tag schon produktiv gehen.

Am Abend habe ich eine Antwort erhalten: ViralVPS hat das Passwort herausgegeben, sodass das IPMI umkonfiguriert werden konnte.

Ich habe eine öffentliche IP mit einer einzigen Portfreigabe auf Port 80 des IPMI erhalten. Für den KVM Zugriff hätte ich aber auch Port 5900 gebraucht. Das habe ich auch so in meine Antwort geschrieben. Geändert wurde aber nichts mehr.

Donnerstag

Donnerstag Mittag war es dann endlich soweit. In meiner Mittagspause wurde die gesamte IP auf das IPMI weitergeleitet. Ich konnte also endlich das Betriebssystem installieren. Leider musste ich das tun, da ich den Zettel mit dem Passwort für die Systemplatte aus Versehen vernichtet habe. Der Server war bis kurz vor seiner Abschaltung schon 133 Tage ohne Neustart online :-)

Und dann habe ich wieder einen Rückschlag erlitten: Das BIOS und das Boot Menu war immer noch Passwort geschützt.

Ich hatte die Vermutung, dass es immer noch das selbe Passwort war von ViralVPS. Kurzerhand habe ich ViralVPS also die Zugangsdaten gegeben und innerhalb von fünf Minuten war das Passwort weg :-)

Was jetzt noch fehlte und ohne  ich nicht live gehen konnte: Der IPv6 Block. Den habe ich erst spät in der Nacht bekommen. Da war ich schon im Bett.

Über den Tag verteilt hatte ich ein paar Dienste installiert, Konfigfiles aus dem Backup gezogen und Basiskonfigurationen vorgenommen.

Heute – Freitag

Am Morgen habe ich dann den IPv6 Block konfiguriert und Adressen abgeleitet. Endlich konnte ich die Änderungsaufträge meiner Domains für die DENIC DNS Server abschicken. Um 5 vor 12 gingen diese live und sofort floss Traffic.

Einiger meiner Kollegen haben noch ein paar DNS Probleme. Aktuell bin ich also in den 24 Stunden, wo alle DNS TTLs ablaufen und ab morgen sollte alles wieder funktionieren.

Faziz

Stress, Verzweiflung und ein bisschen Wut, aber auch Stolz kamen auf.

Ich kann auf sechs Monate ohne einen einzigen Ausfall zurückblicken. Den Kundenservice wie bei ViralVPS werde ich wohl nie wieder bekommen.

Knapp 24 Stunden Uptime hat der Server schon und läuft bis jetzt gut. Wenn man sich nicht die IP Adresse anschaut könnte man denken, dass es keinen Umzug gegeben hat.

Ich bin jetzt erstmal froh, wenn die meisten meine verpassten E-Mail nacheinander eintrudeln und die DNS TTLs abgelaufen sind.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei ViralVPS für das Engagement und den unübertroffenen Kundenservice bedanken. Leider kann man solche Services nicht ohne einen gewissen Preis anbieten. Sollte der Hostingbetrieb jemals wieder aufgenommen werden, dann werde ich keine Sekunde zögern und zurück gehen.


Du hast einen Kommentar, einen Wunsch oder eine Verbeserung? Schreib mir doch eine E-Mail! Die Infos dazu stehen hier.

🖇️ = Link zu anderer Webseite
🔐 = Webseite nutzt HTTPS (verschlüsselter Transportweg)
Zurück